Medusas Garten

Ausstellungseröffnung: Samstag, 13. September 2014 – 18 Uhr
Ort: raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste
Martin Kleppe in Zusammenarbeit mit raum13 Kolacek & Leßle

Unter Bezugnahme der raum13-Trilogie Schönheit der Vergänglichkeit #3-#1 zeigt Martin Kleppe in der Vorhalle der ehemaligen Gießerei der Klöckner-Humboldt-Deutz Werke eine eigens für diesen Ort entstandene Skulpturengruppe aus Textilbeton. An jenem Ort, wo einst tausende von Menschen, im Takt der Maschinen, die Weltmotorisierung vorangetrieben haben, stehen heute verlassene Werkshallen und Verwaltungsgebäude, es scheint alles Leben zu Stein erstarrt.
Martin Kleppe stellt in seiner Arbeit die ungeheuren Kräfte von pflanzlichem Wachstum in den Kontext zu diesem verlassenen Ort. Seine Arbeiten greifen zurück auf geometrische Grundkörper sowie auf amorphe belebte wie unbelebte Naturgebilde. Inspiriert wurde Kleppe von Disteln, Pilzen, Mohn oder Rhabarberblüten aus dem eigenen Ateliergarten in der Vulkaneifel. Diese prallen Knospen, die die Pflanzen treiben, stehen für den immerwiederkehrenden Zyklus von Wachstum und Vergänglichkeit allen Lebens. Bei der Umsetzung dieser starken vegetabilen Energien in seinem bevorzugten Werkstoff Textilbeton schafft Kleppe sichtbare Analogien zu menschlichen Gebärden. Die vielfach vergrößerten Formen ringen förmlich in sich, winden, pressen, dehnen sich wie in viel zu enger Haut oder Kleidung, als könnten sie jeden Augenblick explosionsartig ausbrechen, sich Luft machen und befreien.
Dabei werden dem Betrachter auch sehr eindrücklich die außergewöhnlichen Eigenschaften des Werkstoffs vorgeführt, der bei feinster Materialstärke freie Formbarkeit und große Dimensionen erreicht. Die vermeintliche Wuchtigkeit steht dabei in einem augenscheinlichen Widerspruch zur tatsächlichen Leichtigkeit und Zartheit der Skulpturen. Auch damit sprechen sie sinnbildlich von menschlicher Existenz, unserem Schaffen, Ausgeliefertsein und Zerbrechlichkeit.

Der Titel der Ausstellung Medusas Garten erinnert an die Figur der Medusa aus der griechischen Mythologie, die mit ihrem Blick alles Leben um sich in Stein verwandelte. Das Material Beton wird aus urzeitlich versteinerten Lebewesen gewonnen, die heute als Kalkgestein zu Beton verarbeitet werden. Die Arbeitsweise des Bildhauers greift auf den Augenblick zurück, in dem das Lebewesen in seiner Bewegung erstarrt.

Im Jahr 2011 wurde das raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste ins Leben gerufen. Durch das Engagement von Anja Kolacek & Marc Leßle verwandelte sich die ehemalige Hauptverwaltung der Klöckner-Humboldt-Deutz AG zu einem der spannendsten Orte für transdisziplinäre Kunstprojekte in Köln.